- Ab welcher Schuldenhöhe lohnt sie sich wirklich?Es ist eine der ersten und drängendsten Fragen, die uns in der Kanzlei Brandt in unserer täglichen Arbeit als Schuldnerberater gestellt wird: „Ich habe 5.000 / 15.000 / 50.000 Euro Schulden – lohnt sich eine Privatinsolvenz für mich schon?“
Viele Menschen glauben, es gäbe eine magische Untergrenze, einen bestimmten Euro-Betrag, ab dem eine Privatinsolvenz erst „erlaubt“ oder „sinnvoll“ ist. Die kurze Antwort lautet: Eine solche feste Grenze gibt es nicht.
Die lange – und viel wichtigere – Antwort ist: Es kommt nicht auf die absolute Höhe Ihrer Schulden an, sondern auf Ihre ganz persönliche finanzielle Situation. In diesem Beitrag räumen wir mit Mythen auf und geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung, wann die Privatinsolvenz der richtige Schritt für Sie ist.
Warum die Schuldenhöhe nicht der entscheidende Faktor ist
Stellen Sie sich zwei Personen vor:
- Person A hat Schulden in Höhe von 5.000 €. Sie verdient jedoch nur das Existenzminimum, hat keine Ersparnisse und mehrere Gläubiger, die mit Lohnpfändungen drohen. Für sie sind 5.000 € eine unüberwindbare Hürde.
- Person B hat Schulden in Höhe von 25.000 €. Sie hat aber ein hohes, sicheres Einkommen und könnte die Schulden durch eine realistische Ratenzahlungsvereinbarung über einige Jahre abbezahlen.
Obwohl Person B fünfmal höhere Schulden hat, ist die Privatinsolvenz für Person A wahrscheinlich der dringendere und sinnvollere Weg. Die entscheidende Frage lautet also nicht „Wie viel?“, sondern: „Bin ich zahlungsunfähig?“
Zahlungsunfähig sind Sie, wenn Sie über einen längeren Zeitraum nicht mehr in der Lage sind, den Großteil Ihrer fälligen Rechnungen und Raten zu begleichen. Wenn Ihr monatliches Einkommen nach Abzug Ihrer Lebenshaltungskosten (Miete, Strom, Lebensmittel) nicht mehr ausreicht, um Ihre Schulden zu bedienen, liegt eine Zahlungsunfähigkeit vor.
Wann eine Privatinsolvenz sinnvoll ist: Eine Checkliste
Anstatt auf die Summe zu schauen, prüfen Sie lieber die folgenden Punkte. Je mehr davon auf Sie zutreffen, desto eher sollten Sie über eine professionelle Schuldnerberatung und eine mögliche Insolvenz nachdenken:
- Sie haben die Übersicht verloren: Sie wissen nicht mehr genau, wem Sie wie viel Geld schulden. Briefe von Inkassounternehmen und Anwälten bleiben ungeöffnet.
- Ihr Konto wird regelmäßig gepfändet: Ihr Gehalt ist bereits von Pfändungen betroffen oder diese wurden angedroht.
- Der Gerichtsvollzieher hat sich angekündigt: Sie müssen oder mussten bereits eine Vermögensauskunft (früher „Offenbarungseid“) abgeben.
- Ratenzahlungen sind keine Option mehr: Sie können die monatlichen Raten für Kredite oder bei Versandhäusern nicht mehr aufbringen.
- Sie leihen sich Geld, um alte Schulden zu bezahlen: Sie stecken in einer „Schuldenspirale“, bei der neue Kredite nur dazu dienen, alte Löcher zu stopfen.
- Der psychische Druck wird unerträglich: Die ständige Angst vor dem nächsten Brief oder Anruf raubt Ihnen den Schlaf und beeinträchtigt Ihr Leben.
Wenn Sie sich in mehreren dieser Punkte wiedererkennen, ist es an der Zeit zu handeln – unabhängig davon, ob Ihre Schulden nun 4.000 € oder 40.000 € betragen.
Gibt es Alternativen zur Privatinsolvenz?
Ja, und der Versuch einer solchen Alternative ist sogar gesetzlich vorgeschrieben! Wie wir in unserem [Leitfaden zum Ablauf der Privatinsolvenz](Link zu Ihrem ersten Artikel hier einfügen) erklären, steht vor jedem Insolvenzantrag der außergerichtliche Einigungsversuch.
Gemeinsam mit einem Anwalt oder einer Schuldnerberatung wie der Kanzlei Brandt wird ein Plan erstellt, um sich mit den Gläubigern auf eine reduzierte Ratenzahlung zu einigen. Nur wenn dieser Versuch nachweislich scheitert, ist der Weg für die Insolvenz frei. Für geringere Schulden bei wenigen Gläubigern kann dieser Einigungsversuch bereits die Lösung sein.
Wichtige Ausnahme: Welche Schulden bleiben trotz Insolvenz?
Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Schulden durch eine Restschuldbefreiung erlassen werden. Ausgenommen sind zum Beispiel:
- Schulden aus vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlungen (z.B. Betrug, Körperverletzung).
- Geldstrafen und Bußgelder.
- Schulden, die Sie während des laufenden Insolvenzverfahrens neu machen.
Fazit: Holen Sie sich eine ehrliche Einschätzung
Hören Sie auf, sich auf eine bestimmte Schuldenhöhe zu fixieren. Der richtige Zeitpunkt für eine Schuldnerberatung ist dann, wenn Sie spüren, dass Sie die Kontrolle verlieren.
Der erste Schritt ist der schwerste, aber auch der wichtigste. In der Kanzlei Brandt in Bad Doberan bieten wir Ihnen eine vertrauliche und realistische Einschätzung Ihrer Situation. Wir analysieren Ihre finanzielle Lage und sagen Ihnen ehrlich, ob eine Privatinsolvenz für Sie der beste Weg ist oder ob es sinnvollere Alternativen gibt.
Warten Sie nicht, bis der Schuldenberg weiter anwächst. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch und lassen Sie uns gemeinsam einen Plan für Ihre schuldenfreie Zukunft entwickeln.


