038203 / 74500

Ausweichquartier ansehen?

Wer seine für einen Urlaub gebuchte Unterkunft in einem abgewohnten und ungepflegten Zustand vorfindet und sich weigert, ein Ausweichquartier anzusehen, verliert seine Schadenersatzansprüche auch dann, wenn im Ursprungsquartier tatsächlich Mängel vorlagen. Das entschied das Amtsgericht München in einem jetzt veröffentlichten Fall (Urteil vom 11.04.2007, Az.: 231 C 1828/06, rechtskräftig).

Der Kläger hatte für zwei Wochen im Juli 2005 bei einem Reiseveranstalter eine Reise nach Kroatien zum Preis von 2.016 Euro gebucht. Als er in der Appartementanlage eintraf, fand er seine gebuchte Unterkunft in einem abgewohnten und ungepflegten Zustand vor. Im Bad fehlten Fliesen, der Toilettensitz war kaputt, das Duschbecken verstopft und die Badezimmertür im unteren Bereich vermodert. Auch war die Couch mit zahlreichen, teils größeren Spermaflecken übersät, in der Küchenzeile fehlte eine Schublade, die Schränke schlossen nicht ordnungsgemäß und die Lampenschirme wiesen Sprünge auf oder es fehlten Glühbirnen. Diese Mängel rügte der Kläger zwei Tage nach seinem Einzug. Nach zehn Tagen reiste er vorzeitig ab und machte anschließend Minderungs- und Schadensersatzansprüche gegen das Reiseunternehmen geltend. Daraufhin zahlte dieses 202 Euro mit dem Hinweis, mehr sei nicht veranlasst, da der Kläger vor Ort ein Ausweichquartier angeboten bekommen habe, das ab dem vierten Tag der Reise zur Verfügung gestanden habe. Dieses habe der Kläger sich aber nicht angeschaut.

Der Kläger erhob Klage zum Amtsgericht München und verlangte weitere 854 Euro. Die zuständige Richterin wies die Klage jedoch ab. Zwar sei das Appartement in erheblichem Maße mangelhaft gewesen, so dass grundsätzlich Minderungsansprüche bestünden. Allerdings sei dem Kläger ein anderes Appartement angeboten worden. Der Kläger habe nicht von vorneherein davon ausgehen dürfen, dass das Appartement gleichermaßen mangelhaft sei, auch wenn es sich in der gleichen Wohnanlage befand. Zumindest hätte der Kläger sich vom Zustand des Appartements überzeugen müssen. Auch ein Umzug und das damit verbundene zusätzliche Kofferpacken wären zumutbar gewesen, erklärte die Richterin weiter. Der Kläger habe somit nur einen Anspruch auf Reisepreisminderung für die ersten vier Tage. Dieser sei durch die bereits erfolgte Zahlung seitens des Reiseunternehmens abgegolten.

Erstellt von: baumann | Kategorie(n): Sonstiges