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Kinderlärm ist hinzunehmen

Mietrechtlich ist die Frage, ob Kinderlärm störend ist vielfach schon durch die Gerichte beschieden worden.

Das Oberlandesgericht Münster hat zum Az. 11 A 1288/15 entschieden, dass spielende Kinder laut sein dürfen. Ihr Geräuschpegel gehört ebenso zum Leben wie etwa der Lärm von Autos und Flugzeugen. Das Gericht entschied, dass Eltern diesbezügliche Beschwerden von Nachbarn zurückweisen dürfen. Das Gericht führte deutlich aus, dass derjenige, der Kinderlärm als lästig empfindet, eine falsche Einstellung zu Kindern hat.

Das Amtsgericht Neuss entschied zum Az. 36 C 232/88 bereits schon, dass einzuhaltenden Ruhezeiten eben nicht bedeuten, dass Kinder nicht spielen dürfen. Bei Kindern unter 7 Jahren sind Spielgeräusche hinzunehmen. Und auch die älteren Kinder müssen mittags nicht geräuschlos sein. Das Amtsgericht führte aus, dass es hier Toleranz erwartet und sagte deutlich, dass ein Mehrfamilienhaus kein Kloster ist.

Das Amtsgericht München musste sich damit beschäftigen, dass Nachbarn sich durch musizierende Kinder gestört fühlten. Das Amtsgericht entschied hier zum Az. 171 C 14312/16. Es führte aus, das musizieren die Entwicklung der Kinder fördert. Es wies deutlich darauf hin, dass man bei minderjährigen Kindern nicht die Einhaltung aller Regel erwarten kann. Mit dieser Argumentation wies das Amtsgericht die Klage eines Ehepaares ab. Es fühlte sich von Nachbarskindern gestört, die regelmäßig Saxophon, Schlagzeug und Tenorhorn übten.

Das Landgericht Berlin hatte sich ebenfalls mit Kinderlärm zum Az. 67 S 41/16 zu beschäftigen. Mieter hatten eine Mietminderung verlangt, weil die Kinder in der Wohnung über ihnen durch springen, stampfen und schreien ihren Bewegungsdrang auslebten. Das Landgericht Berlin wies die Klage dieser Mieter ab. Es begründete dies damit, dass es sich um Sozialwohnungen handelt und die würden nun einmal von Familien mit Kindern bevorzugt werden.

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Entscheidungen im Mietrecht zu Kinderlärm. Alle diese Entscheidungen basieren auf der Einstellung, dass Kinder Kinder sind, sich bewegen und artikulieren müssen. Man kann von ihnen im minderjährigen Alter nicht die Einhaltung aller Regel erwarten. Die Gerichte führen hier aus, dass Kinderlärm grundsätzlich hinzunehmen ist. Wer sich daran stört, hat eine falsche Einstellung.